Ferienzeit - Reisezeit?

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Written by  Published in: YES Blog

Seit heute Montag, haben die Schulen hier in Südafrika eine Woche Ferien. Das Klima ist warm und die Sonne scheint, die South Coast mit Margate und den umliegenden Dörfern geht dem Sommer entgegen. Heisst das nun für die Kinder Beach, Baden, Faulenzen?

Für die meisten Jugendlichen heisst Ferienzeit nicht Ferien und Reisezeit! Zum Beispiel im Township Nositha, in dem wir mit der Primary School im YES Programm arbeiten, bleiben die Waisen in den Ferien in ihren spärlichen Behausungen, bei den Pflegeltern, Grosseltern, oder in den Kinderfamilien. Entweder sie helfen zuhause mit Wasser holen, Vieh hüten, oder sie "hängen" lustlos herum.

Aber nicht so heute morgen: An der Nositha Primary School werden während den Ferien im Rahmen des YES-Programms erstmals Computerlektionen angeboten! Gespannt kommen die ersten der 25 der angemeldeten Grade 7 Schülern um 8 Uhr zur e-Library. Thobile, eine Instruktorin vom Sweetdale Camp kennt die Kinder gut, sie ist mit ihnen im Rahmen des YES Programmes im ständigen Kontakt, vor Ort an der Schule, manchmal bei ihnen zuhause oder auf dem Sweetdale Camp.

Der Unterricht kann beginnen. 1 1/2 Stunden später treffen 5 weitere Kinder ein, die sehr abseits im Township von Masenge wohnen, eine Siedlung welche nur aus Bretter- und Blechehütten besteht. Sie sind den weiten Weg zu Fuss marschiert, ca. 8 km.

Zu zweit oder zu dritt, wird ein Computer geteilt. Mit jedem Kind wurde bereits in den letzten Monaten ein Email Konto eingerichtet. Nun wird fleissig geübt, wie man Emails schreibt, dass eine Begrüssung und eine Verabschiedung in ein email gehört, dass man ganze Sätze schreibt und von sich erzählt und auf Fragen eingeht, die das eine oder andere kleine Computergenie in Emails die sie bekommen haben, gestellt bekamen.

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Die Neugier und Wissbegier ist beeindruckend! Schnell lernen die kleinen Hände und Finger, mit der Maus und den Tasten umzugehen.

Nach zwei Stunden gibt es eine Pause, die ungewollt etwas länger dauert als geplant! Das Modem hat keine Verbindung mehr! Das Signal wird geprüft - es ist sehr schwach. Je nach Wettersituation kann sich die Signalstärke rapide verändern. Alles wird ausgesteckt, und nach einigen Minuten wieder eingesteckt und neu gestartet. Sehr lange braucht das Modem, um Verbindung herzustellen, aber endlich ist es wieder da - die begehrte Internet-Verbindung inmitten vom "Nowhere".

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Eifrig wird weitergearbeitet. Das Engagement ist so gross, dass der Schulleiter entscheidet, etwas zum Mittagessen zu besorgen, damit die Kinder noch bis 2 Uhr bleiben können und heute zumindest eine Mahlzeit erhalten.

Begeistert und mit strahlenden Gesichtern verlassen die 25 Kinder am Nachmittag das Schulgelände. Wir hoffen, dass morgen auch noch die 15 kommen werden, die sich für die Ferienlektionen angemeldet haben, aber heute nicht erschienen sind. Es liegt sicher nicht daran, dass sie zu bequem sind oder kein Interesse haben. Leider ist es oft so, dass sie von den Pflegeeltern nicht unterstützt und motiviert werden. Die Erwachsenen in diesen Armengebieten haben selber keine Ahnung, wie wichtig heute der Anschluss an die Computerwelt ist.

Amos, der Schulleiter, plant ein Elternmeeting und will den Erwachsenen Zugang zu der e-Library geben - mit der Hoffnung auf mehr Verständnis, dass es für die Grade 7 Schüler so wichtig ist, noch vor dem Übertritt im Januar an die High School, erste Erfahrungen mit dem Computer zu sammeln.

Und wer weiss - vielleicht ist ja die e-Library bald voll von Erwachsenen?

Read 1428 times Last modified on Mittwoch, 07 Oktober 2015 18:42