Mittwoch, 07 Oktober 2015 18:37

Schulabschluss rückt näher

Die Computer Stunden an der Nositha Primary School sind auch gestern weitergeführt worden. Die ersten Emails wurden versandt und die ersten Antworten kamen zurück. Was für eine Freude herrschte, als die Mailbox geöffnet wurde, und da war doch tatsächlich ein Email im Posteingang! Diese freudigen Gesichter entschädigen uns doch mehrfach für den steinigen Weg, eine funktionierende Internetverbindung in diesen abgelegenen Gebieten aufrechtzuerhalten.

Die Grade 12 Schüler der Macushwa High School, stehen kurz vor dem Schulabschluss. In 4 Wochen starten die Examen, und in 8 Wochen verlassen die Jugendlichen die Schule. Was erwartet Sie?

Dieser Frage sind unsere Sweetdale Instruktoren intensiv mit den Jugendlichen noch einmal nachgegangen. Sie haben im AYOBA-YES Programm ja intensiv an ihrem Dreambook und ihrer Karriereplanung gearbeitet. Nun gilt es ernst. Die nächsten Schritte wurden mit jedem einzelnen besprochen. Die Wichtigkeit und Dringlichkeit, sich entweder an der Universität erster Priorität, oder der Universität zweiter Priorität, oder an einem FET College rechtzeitig einzuschreiben, oder aber auch sich um eine Arbeitsstelle als Praktikant zu bewerben, wurde den jungen Menschen ohne Beschönigungen klargemacht.

Zusätzlich haben wir 17 gesponserte Laptops an der Macushwa High School vernetzt, und mit einer 3G Verbindung eine mehr oder weniger akzeptable Internetverbindung sichergestellt. Leider gibt es in diesen Gebieten keine Telefonleitungen, und die Telkom (gleich der Swisscom), will vorläufig nichts davon wissen, Leitungen in diese abgelegenen Armenregionen zu ziehen. Zu mühsam ist es, die unwegsamen Gebiete zu erschliessen. Erst werden mit erster Priorität die Städte versorgt.

Hier der Weg zur Macushwa High School: Schotterstrasse - Kühe, die sich an den für die Bewohner bereitgestellten Container mit Wasser gütlich tun!

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Die 96 Grade 12 Schüler wurden also in die Computerwelt eingeführt. Jeder Schüler hat jetzt sein eigenes Email, weiss wie es bedienen, und hat damit die Möglichkeit, nach verlassen der Schule in einem Internet Cafe seine Online Bewerbung an die Universität zu überprüfen, einen Lebenslauf zu schreiben, und vor allem, ihn auch online zu versenden.

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  So gewappnet, entlassen wir nun also bald zusammen mit den engagierten Lehrern der Macushwa High School diese Jugendlichen aus dem AYOBA-YES Programm in die Arbeits- und Erwachsenenwelt. Etwas Hühnerhaut hat uns heute befallen, als wir uns von den Jugendlichen verabschiedet haben.

Die Sweetdale Tore stehen immer noch offen für diese Jugendlichen: auch nach verlassen der Schule werden unsere Instruktoren mit Rat und Tat, wenn immer nötig, für den Einzelnen da sein.

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Montag, 05 Oktober 2015 16:07

Ferienzeit - Reisezeit?

Seit heute Montag, haben die Schulen hier in Südafrika eine Woche Ferien. Das Klima ist warm und die Sonne scheint, die South Coast mit Margate und den umliegenden Dörfern geht dem Sommer entgegen. Heisst das nun für die Kinder Beach, Baden, Faulenzen?

Für die meisten Jugendlichen heisst Ferienzeit nicht Ferien und Reisezeit! Zum Beispiel im Township Nositha, in dem wir mit der Primary School im YES Programm arbeiten, bleiben die Waisen in den Ferien in ihren spärlichen Behausungen, bei den Pflegeltern, Grosseltern, oder in den Kinderfamilien. Entweder sie helfen zuhause mit Wasser holen, Vieh hüten, oder sie "hängen" lustlos herum.

Aber nicht so heute morgen: An der Nositha Primary School werden während den Ferien im Rahmen des YES-Programms erstmals Computerlektionen angeboten! Gespannt kommen die ersten der 25 der angemeldeten Grade 7 Schülern um 8 Uhr zur e-Library. Thobile, eine Instruktorin vom Sweetdale Camp kennt die Kinder gut, sie ist mit ihnen im Rahmen des YES Programmes im ständigen Kontakt, vor Ort an der Schule, manchmal bei ihnen zuhause oder auf dem Sweetdale Camp.

Der Unterricht kann beginnen. 1 1/2 Stunden später treffen 5 weitere Kinder ein, die sehr abseits im Township von Masenge wohnen, eine Siedlung welche nur aus Bretter- und Blechehütten besteht. Sie sind den weiten Weg zu Fuss marschiert, ca. 8 km.

Zu zweit oder zu dritt, wird ein Computer geteilt. Mit jedem Kind wurde bereits in den letzten Monaten ein Email Konto eingerichtet. Nun wird fleissig geübt, wie man Emails schreibt, dass eine Begrüssung und eine Verabschiedung in ein email gehört, dass man ganze Sätze schreibt und von sich erzählt und auf Fragen eingeht, die das eine oder andere kleine Computergenie in Emails die sie bekommen haben, gestellt bekamen.

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Die Neugier und Wissbegier ist beeindruckend! Schnell lernen die kleinen Hände und Finger, mit der Maus und den Tasten umzugehen.

Nach zwei Stunden gibt es eine Pause, die ungewollt etwas länger dauert als geplant! Das Modem hat keine Verbindung mehr! Das Signal wird geprüft - es ist sehr schwach. Je nach Wettersituation kann sich die Signalstärke rapide verändern. Alles wird ausgesteckt, und nach einigen Minuten wieder eingesteckt und neu gestartet. Sehr lange braucht das Modem, um Verbindung herzustellen, aber endlich ist es wieder da - die begehrte Internet-Verbindung inmitten vom "Nowhere".

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Eifrig wird weitergearbeitet. Das Engagement ist so gross, dass der Schulleiter entscheidet, etwas zum Mittagessen zu besorgen, damit die Kinder noch bis 2 Uhr bleiben können und heute zumindest eine Mahlzeit erhalten.

Begeistert und mit strahlenden Gesichtern verlassen die 25 Kinder am Nachmittag das Schulgelände. Wir hoffen, dass morgen auch noch die 15 kommen werden, die sich für die Ferienlektionen angemeldet haben, aber heute nicht erschienen sind. Es liegt sicher nicht daran, dass sie zu bequem sind oder kein Interesse haben. Leider ist es oft so, dass sie von den Pflegeeltern nicht unterstützt und motiviert werden. Die Erwachsenen in diesen Armengebieten haben selber keine Ahnung, wie wichtig heute der Anschluss an die Computerwelt ist.

Amos, der Schulleiter, plant ein Elternmeeting und will den Erwachsenen Zugang zu der e-Library geben - mit der Hoffnung auf mehr Verständnis, dass es für die Grade 7 Schüler so wichtig ist, noch vor dem Übertritt im Januar an die High School, erste Erfahrungen mit dem Computer zu sammeln.

Und wer weiss - vielleicht ist ja die e-Library bald voll von Erwachsenen?

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