Augenschein vor Ort auf dem Sweetdale Camp

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Written by  Published in: AYOBA Life Stories

"Es beginnt ein Leben unter falschen Vorzeichen"

Henning Mankell

 

1. Start

Mein Mann Thomas Kern und ich, konnten im April 2015 einen breitfächerigen Einblick ins "Finale Camp" (letztes Camp des 3-jährigen Lehrgangs) gewinnen!

Wir erlebten 94 jugendliche Aids-Waisen die sich mit hoher Motivation und grossem Respekt auf ihre emotionalen und inhaltlichen Herausforderungen einliessen:

  • unmittelbare Vergangenheit (= Kind + Jugendzeit unter falschen Vorzeichen) und
  • bevorstehende Zukunft (= Umsetzung von "Dreambook" Richtung konkreter Berufsplanung)

Für uns ist es vergleichbar mit unseren Berufsinformationsmodulen, z.B. in der 2.und 3. Sekundarschule in der Schweiz.

Allerdings liegt hier unseres Erachtens ein wesentlicher Unterschied hinsichtlich der psychosozialen Förderung der Aids-Waisen. Ohne dass am ersten Abend im Camp in Kleingruppen am Feuer einen persönliche "Selbsterfahrungsrunde und Standortbestimmung" mit entsprechender Interventionen der leitenden Instruktoren durchgeführt würde, wären die weiteren Lernschritte nicht möglich (Trauma-Aufarbeitung aus diversen Lebensbereichen weil die Eltern fehlen!). Zum Beispiel erzählte ein Teilnehmer, wie er unter falsche Freunde geraten ist und über längere Zeit keine Perspektive mehr sah. Wir konnten mitverfolgen, wie dabei nicht nur der Mut, sich zu "zeigen", sondern auch die Sensibilisierung für die Selbstverantwortung in jeder Hinsicht gestärkt wurde.

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2. Weichenstellung

Wir staunten und staunten! Die TeilnehmerInnen wurden mit einem dichten Leitfaden zur Lebens- und Berufsplanung "eingedeckt!" Unter strikter Anleitung galt es, in Einzelarbeit sich seinen Berufsträumen anzunähern und gleichzeitig allfällige Illusionen zu erkennen!

Grossartig - wie klar und realitätsbezogen die Instruktoren führten!

Für uns war es aufschlussreich zu hören, wie viele männliche Teilnehmer als Traumberuf Polizist, die weiblichen Personen eher ein Studium z.B. als Ärztin erwähnten.

Die Weichenstellung ist für die TeilnehmerInnen und die Instruktoren ein langer Prozess und harte Knochenarbeit! Wir beobachteten viele enttäuschte Gesichter, aber auch die Bereitschaft, reale Perspektiven ins Auge zu fassen - beispielsweise ein Handwerk zu erlernen.

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3. Fähigkeiten und Grenzen

Beim Besuch der diversen Gruppen an den "Outdoor-Stationen" hörten wir Schreien, Lachen, Notrufe,  und lauschten dem Schweigen z.B. vor dem überqueren des Hochseilparcours und Bewältigen von Hindernissen, die volle Konzentration und Angstüberwindung erforderten!

Bei den Einzel- und Teamaufgaben beeindruckte uns, wie z.B. das gegenseitige Vertrauen aufgebaut werden musste, spezifisch zwischen jugendlichen Frauen und Männern. Diese Ertüchtigung und Erfahrung wirkte auf uns in allen Facetten weiterführend für die persönliche Weichenstellung.

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Ausblick

4.1 Sweetdale Team

Dass die 94 Aids Waisen nach einer Woche ihren Selbstevaluationsbogen vollständig und ehrlich ausgefüllt haben, deutet für uns auf eine sehr nachhaltige Arbeit hin.

Jedoch gilt es nun für die Lehrer an den öffentlichen Schulen, wohin die Aids-Waisen zurückkehren, mit dem Sweetdale Team zusammen jede einzelne Person im nächsten halben Jahr,  d.h. bis Mitte Dezember 2015, gezielt zu begleiten.

Wie wir erfahren haben, sind 32 der 37 Sweetdale MiarbeiterInnen selber Aids-Waisen!

Für uns war und ist es deshalb äusserst spürbar, dass gerade durch diese Biografie und Selbstkompetenz der MitarbeiterInnen die Jugendlichen hervorragend geführt werden. Nämlich mit Einfühlung und Strenge. Ein grosses Lob allen MitarbeiterInnen.

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4.2 Lehrer in den öffentlichen Schulen (Nositha und Macushwa)

Durch die Besuche in den öffentlichen Schulen (Nositha=Primary School, Macushwa=High School) durften wir den Schuldirektoren (Principals) und LehrerInnen persönlich begegnen!

Uns rührte und berührte das "entfachte Feuer" in Bezug auf das "Ayoba-Yes Programm!" Wir gratulieren sehr herzlich. Dies zeigte sich z.B. wie Principal Simon zu mir sagte: "We don't give up, every student will have a place in the business world."

Die Schulleiter sind darauf angewiesen, dass die Schulung (Coaching) ihrer LehrerInnen durch das Sweetdale Team erfolgt, denn die LehrerInnen müssen ihre eigenen Selbst- und Fachkompetenzen erweitern, damit sie ihre Schüler entsprechend fördern können. Dazu zählen auch die notwendigen Infrastrukturen wie Bibiliotheken - um den Schülern rechtzeitig ihre Bewerbungen per e-Mail an die ausgeschriebenen Stellen zu ermöglichen.

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5. Die Vorzeichen sind neu gesetzt (Nachhaltigkeit)

  • Zwischen unserem ersten Besuch im Jahre 2012 zu heute, durften wir den Wertewandel der Aids-Waisen erfahren, die zur konkreten Lebensplanung führt.
  • Ein gefestigtes und "aufgestelltes" Sweetdale-Team erleben
  • Die sichtbare Schul- und Gemeindeentwicklung, welche sich im Rahmen der 3 Jahre eingestellt hat und
  • Die Vernetzung mit den öffentlichen Schulen und den verantwortlichen LehrerInnen wahrnehmen.

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Gespannt sind wir auf Ende 2015, wie die Aids-Waisen ihren Weg fortsetzen; welches Handwerk sie erlernen, ob sie eine Berufslehre besuchen, das College wählen oder gar ein Studium absolvieren werden.

Grossen Dank an Sibylle und Roland Wenger und alle Beteiligte die uns einmal mehr mit viel Vertrauen gezeigt haben, wie Hilfe zur Selbsthilfe kompetent und effizient umgesetzt wird.

Wir sind begeistert! Unsere Erwartungen wurden in hohem Masse übertroffen!

Die gesamte Arbeitsatmosphäre, die durch Liebe, Humor und beharrlichen Einsatz gezeichnet ist, machen diese Resultate - trotz den grossen Herausforderungen - erst möglich.

Ursula Kern

 

 

Read 1959 times Last modified on Sonntag, 03 Mai 2015 07:57

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