Das vergangene YES Jahr war jeden Franken wert……

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Written by  Published in: AYOBA Life Stories

Im Verlauf dieser fünf Tage des „Take off Camps“ ist deutlich zu erkennen wie sich die jugendlichen Waisen entwickeln. Am Beginn hatten einzelne Schwierigkeiten die Augen zu erheben, aufrecht auf andere zuzugehen. Sie antworteten schüchtern auf Fragen und hatten Mühe, sich in der Gruppe zu exponieren. Spätestens seit dem Stage Play, dem erhaltenen Support und der Reaktionen durch das Plenum ist das Eis gebrochen. So entstehen dann auch neue Freundschaften und erste Pläne für ein eigenes Business werden geschmiedet. Das Potential ist deutlich spürbar.

Auch die Offenheit gegenüber uns Fremden von einem anderen Kontinent hat sich entwickelt. Während der vergangenen Tage ist es ein ständiges Abwägen und Dosieren der Kontaktaufnahme zu den Einzelnen. Stört man gerade einen Auseinandersetzungsprozess oder geht man zu schnell auf jemanden zu? Einerseits gilt es so spontan wie möglich auf die jungen Menschen zuzugehen, andererseits gilt es auch zu beachten, dass das Selbstwertbewusstsein immer noch sehr fragil ist. Denn die Auffassung sich als Waise, ohne den Schutz der Eltern, völlig mittellos am unteren Ende der Gesellschaft zu befinden und dafür durch Missachtung und Missbrauch gestraft zu werden, steckt tief in diesen Menschen. Durch das YES Programm ist es möglich, diesen Menschen Wertschätzung, Zuneigung und Vertrauen entgegen zu bringen. Neben der materiellen Sicherheit von Nahrung und einigermassen würdiger Behausung, dem Aufbau von handwerklichen und kognitiven Fertigkeiten ist die psychologische Dimension der Vergangenheitsbewältigung und Aufbau von Zuversicht und Hoffnung ein wesentlicher Bestandteil des YES Programmes auf dem Sweetdale Camp. Alle Kriterien werden gleichermassen über das gesamte Jahr durch das Netzwerk Ayoba-YES - Ziphamakise by Sweetdale abgedeckt.

Im Unterschied der ersten drei Click Camps sind in diesem Camp mehr Jugendliche, die im November 2014 und 2015 die High School mit der Matur abschliessen werden. Damit diese die Möglichkeit haben, das vollständige YES Programm bis zu diesem Zeitpunkt zu durchlaufen um ihre „Study-/und Job-Readiness“ (Berufs- und Studienreife) zu entwickeln, wurden sie vorgezogen. Die Waisen benötigen in dieser Phase des Programmes Unterstützung zur Auswahl der richtigen Maturfächer, damit diese auch zu ihrem Studien- oder Berufswunsch passen. Es macht wenig Sinn Geographie als Maturfach zu wählen, wenn man anschliessend Medizin studieren möchte. Für die jüngeren Waisen bleibt bis zum Ende der Highschool noch etwas mehr Zeit. Ein Kriterium der Aufnahme in das YES Programm ist noch in der Schule zu sein, daher ist für die Programmgestaltung etwas mehr Flexibilität gefordert. 24 dieser Jugendlichen werden ihre Matur im 2014 abschliessen. Sie werden daher bereits im April wieder auf das Camp zurückkommen und den dritten Teil, also das „Finale“ parallel zur dritten Wiederholung des „Take Off“ durchlaufen. Das methodisch-didaktische Konzept des Programmes zur Vorbereitung der Waisen auf das zukünftige Leben hat sich bislang bestens bewährt und kann so im dritten Jahr weitergeführt werden.

Die handwerklichen Fähigkeiten in diesem mittleren Teil des YES Programmes beschränken sich auf die Hühnerzucht und die Bewirtschaftung des Gemüsegartens. Es werden Inhalte aus dem ersten Camp wiederholt, vertieft und neues Wissen hinzugefügt. Der Gemüsegarten muss regelmässig bewässert werden und da die Kinder und Jugendlichen tagsüber in der Schule sind, ist dies nicht immer sicher gewährleistet. Sobald aber der Gemüsegarten Erträge bringt und damit die Ernsthaftigkeit und Seriosität bewiesen ist, wird in einem weiteren Schritt eine Bewässerungsanlage installiert. Wissen zum Aufbau der Anlage und die Wasserversorgung über Regenwassertanks ist Bestandteil dieses Camps. Das wird dann auch im Schulgarten auf Sweetdale genügend von den Instruktorinnen und Instruktoren geschult. Die Finanzierung für die Bewässerungsanlagen wird durch die Beiträge des Vereins ayoba gesichert, das Know how stammt von Roland und Sibylle Wenger und den Programmleitern / Instruktoren und Instruktorinnen des Sweetdale Camps.

Neben den Waisen erhalten die Caregiver der Drop In Center und die Sozialarbeiter von Ziphamakise und dem Emseni Waisenhaus die gleichen Informationen. Ziel ist es mit der Zeit bei jedem Drop In einen Garten und eine Hühnerzucht zu betreiben. Die Erfahrungen mit den Inhalten des YES Programms im ersten Jahr haben gezeigt, dass eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse und Hühnerfleisch zur Selbstversorgung wichtiger sind als die Produktion für ein Einkommen.

Backkenntnisse werden weiterhin vermitteln, denn das Ziel ist es neben den kognitiven Talenten und Fertigkeiten auch die motorischen zu entdecken, damit sie für die weitere Lebensplanung genutzt werden können. Ähnlich verhält es sich mit dem Nähen. Im Drop In in Ixopo wird weiterhin genäht, es werden Kleider geflickt und Säckchen als Giveaway des Sweetdale Camps genäht.

Um das Nähen in den zukünftigen Click Camps weiter auszubauen, muss in Zukunft mehr auf pedalbetriebene Nähmaschinen umgestellt werden, da nicht überall die Stromversorgung gewährleistet ist. Wer sich einer solchen Maschine entledigen will, findet bei uns dankbare Abnehmer. Ricarda Schlatter, die Schwester von Sibylle Wenger, organisiert zurzeit einen Container in der Schweiz, damit Kleidung und Spielzeug gesammelt und nach Südafrika auf das Sweetdale Camp verschifft werden kann.

Der fünfte Tag und somit das „Take off“ Camp wird feierlich mit der Übergabe des Certificate of Completion mit 73 Stunden abgeschlossen. Das Certificat ist von den Behörden in Südafrika offiziell zertifiziert und weisst mit mind. 54 Stunden die notwendigen Fertigkeiten für ein Studium und eine Anstellung aus.

Zur Veranschaulichung was in den einzelnen Durchgängen thematisiert wird dient folgende Auflistung:

1. Jahr Click Camp: Life Skills, handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten

2. Jahr Take Off Camp: Life Skills, Visionen und Ziele, Verhaltensänderung, Vorbereitung zur Study-/Job-Readiness und Selbständigkeit

3. Jahr Finale: Life Skills, Vertiefende Visionen und Ziele, Evalutation der Berufschancen, Massnahmenplanung und Study-/Jobreadiness Assessment, Planung der Selbständigkeit

Am Ende dieses Take Off Camps wird deutlich, dass sich die Waisen an der Stufe vom 2. zum 3. Jahr befinden und zu ihren Zukunftsplänen jeweils auch Alternativen entwickelt haben.

Am Abend versammeln sie sich in der Konferenzhalle für die Abschlusszeremonie. Wie es so üblich ist an solchen Anlässen dürfen der gemeinsame Gesang und auch das Gebet nicht fehlen. Lulu, Referent und eine wichtige Person im Kontakt zu den Gemeinschaften im Ayoba-YES Wirkunsgebiet ist ein wichtiger Brückenbauer zwischen den Waisen und dem ayoba-YES Programm. Er und Roland Wenger danken in ihren Reden den Waisen für ihre ernsthafte Arbeit, den Caregivern vor Ort, ohne deren Engagement nicht so eine breite Wirkung und Dynamik entstanden wäre und nicht zuletzt den gesamten Mitarbeitern des Sweetdale Camps. Die Instruktorinnen und Instruktoren haben viel zusätzliche Arbeit und persönliches Engagement für die Arbeit mit den Waisen geleistet. Es war während der ganzen Woche spürbar, dass sie eine innige und dennoch professionelle Beziehung zu den Jugendlichen aufgebaut haben und ihnen viel daran liegt, damit die Waisen weiter in ein erfolgreiches Leben aufbrechen können.

Am Samstagmorgen gilt es endgültig Abschied zu nehmen. Neue Freunde haben sich gefunden und gehen wieder auseinander mit dem Wissen, nicht alleine zu sein. Einzelne Waisen wollen auch etwas zurückgeben und möchten auf dem Sweetdale Camp einen Einsatz leisten, bieten ihre Hilfe an, wenn es zwei Hände braucht. Fröhlich und traurig, zuversichtlich und stolz gehen die Waisen ab heute wieder ihren Weg, mit der Gewissheit nicht alleine zu sein und ein drittes Mal zurückkommen zu können.

Und nicht zuletzt gilt es euch und ihnen, Mitglieder, Spenderinnen und Spender von >ayoba< zu danken. Wir können stolz auf das sein, was wir mit unserem finanziellen Beitrag gemeinsam mit den Leuten vor Ort hier in der Region zwischen Ixopo und Port Shepstone bewirken.

Lift yourself up and don’t just try – do it!

Siyabonga!

Read 3792 times Last modified on Samstag, 25 April 2015 09:23