Lift yourself up – über Hindernisse hinweg kommen (written from Thomas Albiez und Tobias Lehmann)

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Written by  Published in: AYOBA Life Stories

 Ziphamakise bedeutet Lift yourself up, richte dich auf, erhebe dich. Für das YES Programm hat dies die Bedeutung nicht stehen zu bleiben, sich aufzurichten, nicht aufzugeben und seine Chance zu erkennen und zu nutzen. Ein grosser Aspekt darin ist, dies gemeinsam zu tun, anderen zur Seite zu stehen. Dies gilt insbesondere auf Unwegsamkeit und Hindernisse zu reagieren. Hilfe in Anspruch nehmen ohne sich abhängig und passiv zu verhalten, sondern gemeinsam an der Lösung zu arbeiten mit der Gewissheit, dass jeder Beitrag wichtig ist und weiter führt als nur die Summe des einzelnen. Bei den vormittäglichen Lektionen zum Erstellen des eigenen persönlichen Dreambooks gehen die Jugendlichen tiefer und tiefer in die persönliche Auseinandersetzung mit ihrem bisherigen Leben und der Zukunft. Die Vergangenheit lassen sie schliesslich akzeptierend hinter sich und fokussieren auf die Zukunft. Welche Vorbilder haben sie und was genau ist der Grund, dass diese Person ein Vorbild ist? Welche Ziele setzen sie sich und wie sind diese formuliert, so dass auch erfolgsversprechende Teilschritte erkennbar sind? Wie können sie ihr Verhalten ändern? Wie gehen sie bislang mit Enttäuschungen um? Wie reagieren sie wenn sie traurig oder wütend sind? Und immer wieder geht es um Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich und andere. Nicht sie selbst sollen sich als das Problem verstehen wenn es eines gibt – aber wie kann das Problem gelöst werden?

Am Nachmittag vertiefen die Waisen die erarbeiteten Themen in den Aktivitäten an den verschiedenen Elementen im Sweetdale Camp. Die mentale und kognitive Auseinandersetzung wird so mit der physischen Herausforderung gekoppelt, es werden Bezüge hergestellt zu dem was mit ihnen passiert, wenn sie plötzlich ein Hindernis überwinden müssen, dass ihre sämtliche Kraft beansprucht. Wo kommt die Kraft her und was motiviert sie in diesem Moment der Grenzerfahrung doch weiter zu machen?

Ein Beispiel ist die „Jakobsleiter“. Eine vertikale Sprossenwand deren Sprossen so weit auseinander sind und die Abstände nach oben immer grösser werden, so dass sie nicht alleine überwunden werden können. Am Ende befindet sich eine Glocke, die beim Erfolg geläutet wird. Ein Paar (Mann/Frau) muss gemeinsam dieses Hindernis überwinden. Sie werden dabei durch ein zweites Paar an Seilen gesichert. Die Instruktorin sorgt für die notwendige Sicherheit. Die gefordeten Fähigkeiten dieser Aufgabe sind Paararbeit, Vertrauen, Kreativität sowie Kraft und Geschicklichkeit. Im Weiteren geht es um die Rollen von Mann und Frau. Ein Paar muss zusammen dieses Hindernis überwinden. Gemeinsam müssen Lösungen gesucht werden, dabei sind die Aufgaben sowohl auf männlicher wie weiblicher Seite gleich. >> Beispiel, die Frau steigt via Oberschenkel und Schultern des Mannes auf die nächste Sprosse und dann der Mann auf gleiche Weise über die Frau zur übernächsten Sprosse. Die gewählten Lösungen sind nicht bei allen Paaren gleich, Einflüsse wie Grösse, Kräfte, Gelenkigkeit beeinflussen diese. Höchst aufmerksam verfolgt die Instruktorin/ der Instruktor das Geschehen, lässt Entscheidungsfreiheit und greift nur ein, wenn ungünstige Ausgangslagen entstehen oder die Sicherheit gefährdet werden könnte.

Am „Timesquare“ müssen mit Holzbrettern unter anderem Wege über Felder mit Holzpflöcken oder über zwei längsgespannte Drahtseile überwunden werden. Die Gruppe (10 Personen) hat 5 Bretter zur Verfügung um von A nach B zu gelangen. Geforderte Fähigkeiten sind, Gruppenarbeit, Kreativität, Geschicklichkeit (Gleichgewicht) gegenseitige Unterstützung, Vertrauen. Die Gruppe diskutiert mögliche Lösungen und wer welche Aufgaben übernimmt. Die Instruktorin überwacht das Einhalten der Regeln, lässt Freiheit für Versuch und Erfolg oder Misserfolg. Aufmerksam überwacht sie das Geschehen, sie muss erkennen, wo aktive Unterstützung nötig ist um z.B. besondere Ängste zu überwinden oder wenn es darum geht, jemandem zu einem Erfolgserlebnis zu verhelfen.

Nach jedem Element werden in der Auswertung die gemeinsamen Erfahrungen reflektiert und diskutiert. Von den Instruktorinen/Intruktoren werden Fragen gestellt, die sich auf den Lebensalltag beziehen und auf die individuellen Inhalte des Dreambooks hinweisen.

Am vierten Tag des Take Off Camps steht ein weiterer Höhepunkt für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Programm. Eine der Gruppenaufgaben war für diesen Abend im Laufe der Woche pro Gruppe zu den Themen Alkohol und Drogen /Leadership/ effektive Kommunikation/ Teenagerschwangerschaft/ Vertrauen/ Gruppendruck/ Arbeitslosigkeit/ HIV-freies Leben/ Vision, Traum, Ziele/ Kritische Erfolgsfaktoren für das Leben, ein kurzes Theaterstück, in dem alle Gruppenteilnehmer eine Rolle übernehmen zu entwickeln. Die Darstellungen lassen viele Rückschlüsse auf selber Erlebtes in der eigenen Vergangenheit zu. Obwohl ich kein Zulu verstehe, konnte ich dem Geschehen folgen. Das Wissen zu den Themen war bemerkenswert, die Inhalte immer sehr differenziert, priorisiert und umfassend dargestellt. Mit viel Freude, Energie und grossem Engagement wurde gespielt und es gab viele schauspielerische Talente zu entdecken. Das Bewusstsein und die Gemeinsamkeit in den bisherigen Erfahrungen, welche Gefahren und Schwierigkeiten im Leben auf sie warten könnten, scheinen sehr gross zu sein. Eindrücklich waren für mich die Reaktionen welche die zuschauenden Jugendlichen zeigten, wenn auf der „Bühne“ jemand geschlagen wurde, Drogen im Spiel waren oder wenn Trost, Zuwendung und Vergebung das Thema war. Doch mehrheitlich gab es zu lachen und viele freudige Spontanreaktionen.

So entsteht im Laufe der ganzen Woche ein ganzes Netzwerk und eine Verknüpfung aller Programm- Elemente des „Take off Camps“.

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